BB3 – Balkan Big Three BB3 – Balkan Big Three
06 August 2026

BB3 – Balkan Big Three

Tim Marklowski gelingt eine neue All-Terrain Challenge am Balkan

Ende Juni 2026 konnte sich der bayerisch-schweizerische Bergführer Tim Marklowski mit der Eigenkreation «Balkan Big 3» einen Traum erfüllen. Als die «Grossen Drei des Balkans» nennt er in diesem Zusammenhang folgende beeindruckende Naturmonumente:


• Shkodra See: Größter See des Balkans und Südeuropas (breiteste Stelle ca. 13 km).

• Arapi Südwand: Höchste Felswand des Balkans (925 m, UIAA 8-, frz. 6c+).

• POB (Peaks of the Balkans) Trail: Längster zusammenhängender Fernwanderweg des Balkans (knapp 200 km, 10.500 Höhenmeter).


Zwischen 18. und 23. Juni 2026 gelang Tim Marklowski die erste dokumentierte Schwimmtraverse des Shkodra Sees von Montenegro nach Albanien. Kaum aus dem Wasser gestiegen, ging es mit dem Rennrad nach Theth am Fusse der Arapi Südwand. Am nächsten Tag folgte die Durchsteigung der Wand zusammen mit Denys Thommen (Schweiz), wobei Tim der Vorstieg aller Seillängen im Rotpunktstil gelang. Nach einem «Fuel-up-Tag» startete Marklowski in den frühen Morgenstunden des 21. Juni auf den legendären Peaks of the Balkans Trail. Der normalerweise ca. 10-tägige Trek absolvierte er in etwas unter 3 Tagen als Trailrun. Die erste Aneinanderreihung dieser drei Highlights taufte Tim «Balkan Big 3»

Detaillierter Ablauf des Projekts

Tag 1 (18.6.2026): Freiwasserschwimmen & Rennrad

• Schwimmtraverse: 6.00 Uhr Start bei Bobovište (Montenegro) nach Sterbeq (Albanien). Die Luftlinie von 12,7 km absolvierte Marklowski in 4 Stunden und 24 Minuten. Durch starke Strömungen und Wind war die tatsächliche Schwimmstrecke vermutlich deutlich länger. Solo Swim mit Begleitboot. Nach eigenen Recherchen die erste dokumentierte Schwimmtraverse des grössten Sees des Balkans. 

• Weiterfahrt nach Theth: Direkt im Anschluss ging es mit dem Rennrad über 60 km und 1.770 hm nach Theth an den Fuss der Arapi Südwand. Gepäcktransport erfolgte durch Supporter Denys Thommen, die Verpflegung war self-supported.

Tag 2 (19.6.2026): Durchsteigung der Arapi Südwand

• Route «Tschackalacka»: 925 m, 20 Seillängen, Schwierigkeit bis 6c+. Erstbegehung 2011 durch den deutschen Frauen Expeditionskader. Stände und einige Zwischenhaken sind gebohrt, dennoch waren viel Eigeninitiative bzgl. Absicherung und grosse Runouts gefragt. Tim stieg jede SL rotpunkt vor, gepusht von seinem engen Freund und Kollegen Denys Thommen.

Tag 3 (20.6.2026): Fuel-up & Trail-Vorbereitung

Regeneration, Kalorienspeicher auffüllen, Umpacken des Materials und Vorbereitung auf den bevorstehenden Trailrun. 

Tage 4–6 (21.–23.6.2026): Peaks of the Balkans Trailrun

• 21. Juni (Etappe 1): Start um 2:46 Uhr nachts. 71,21 km mit 3.758 hm Steigung.

• 22. Juni (Etappe 2): 61,00 km mit 3.716 hm Steigung.

• 23. Juni (Etappe 3): 65,00 km mit 2.992 hm Steigung. Finish um ca. 21:05 Uhr.

Vision & Motivation

Tim ist in der Bergsportszene bereits bekannt vom Projekt «Connexion Perfetta» (2025). Dabei kombinierte er die beiden anspruchsvollsten Fernwanderwege Europas – den GR20 (Korsika) und den Selvaggio Blu (Sardinien) – zu einem grossen Triathlon. Von der Nordspitze Korsikas ging es bis zur Südspitze Sardiniens, wobei er unter anderem die Meerenge von Bonifacio durchschwamm.

Die Philosophie hinter diesen Abenteuern nennt er «All Terrain Animal» (ATA): 

«Wie ein Steinbock am Hang entlang. Wie ein Delphin durch die Dünung. Wie ein Gecko die glatte Felswand empor. 'All Terrain Animal' ist ein Kindheitstraum. Einer, der nie wahr werden wird. Aber auch einer, der sich trotzdem leben lässt. ATA ist die persönliche Utopie, sich mühelos und leicht in jedem Gelände zu bewegen. An Land wie im Wasser. Auf Schnee, Eis, in Ozeanen aus Fels oder im offenen Meer. ATA steht für Projekte, die diesen Traum spürbar machen. Zumindest ein Stück weit.»

«Ein Blick auf die Landkarte und logischer konnte das nächste Projekt gar nicht sein: Der grösste See, die grösste Wand und der längste Trail des Balkans, alles so nah beieinander. Das musste einfach kombiniert werden. Das Projekt ist eine Hommage an den Balkan mit seiner wilden Natur und vielfältigen Kultur.»

Hinter den Kulissen & Besonderheiten

• Historischer Kontext des Shkodra Sees: Zwar war dies die erste offizielle Schwimmtraverse des Shkodra Sees, jedoch wurde erzählt, dass der See zu Migrationszwecken bereits durchschwommen wurde (ohne Aufzeichnungen). Angeblich versuchten Menschen über den See aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Albanien zu flüchten. Die Versuche fanden der mündlichen Überlieferung nach im Winter statt – eingefettet mit Maschinenfett und einer Melone auf dem Kopf zur Wärmeisolierung. Eine dramatische Geschichte, die Tim während des Schwimmens sehr beschäftigt hat.

• Schlüsselmoment an der Arapi Südwand: Nach dem Schwimmen und Radfahren war Tim bereits so angezählt, dass ihm eine Begehung in Wechselführung sehr recht gewesen wäre. Mein guter Freund Denys Thommen motivierte mich jedoch, jede Länge vorzusteigen und zu «rotpunkten». In der letzten Länge nahm Tim tatsächlich noch einen Abflug und fädelte mit dem Bein hinter dem Seil ein. Trotz des harten Anpralls konnte er die Länge zu Ende klettern, wurde abgelassen und punktete die Länge im zweiten Go ziemlich entkräftet. (Die Begehung war rotpunkt, aber nicht onsight, da Tim einen Teil der Wand bereits von einem Versuch mit seiner Frau vor ca. 4 Jahren kannte).

• Logistische & Behördliche Hürden: Das Aufwendigste am Projekt war neben dem Training in drei Disziplinen (neben dem Beruf als Bergführer) das Permit für das transnationale Schwimmen von Montenegro nach Albanien. Trotz monatelanger Voranmeldung gab es erst in der Nacht auf den Schwimmtag eine mündliche Erlaubnis der Behörden durch den Organisator des Begleitboots – wie in einem schlechten Film.

Tim wird unterstützt von Bächli Bergsport.

Quelle: lines mountain guiding



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