Aktuelle Lawinenzeit Februar 2026 Aktuelle Lawinenzeit Februar 2026
25 Februar 2026

Aktuelle Lawinenzeit Februar 2026

Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) nimmt zur Berichterstattung über die Lawinenunfälle der vergangenen Tage Stellung.

Update bergsteigen.com: Seit Versand der Pressemitteilung, heute Mittwoch 12:45 Uhr, wurden bereits erneut 2 Lawinentote gemeldet (schon unten in der Tabelle). Somit sind mit Stand 25.02.2026, 16:00 Uhr 26 Menschen bei Lawinenunfällen in Österreichs Bergen ums Leben gekommen. Damit liegt die Zahl bereits jetzt deutlich über dem 10-Jahre-Mittel von 16 Lawinentoten pro Winter.

Zahlen, Daten & Fakten aus der alpinen Unfalldatenbank von ÖKAS und Alpinpolizei (BMI):

24 Lawinentote in Österreich im Winter 2025/26 – deutlich über dem 10-Jahre-Mittel – Häufung innerhalb weniger Tage (Lawinenzeit)

Mit Stand 24. Februar 2026 sind in Österreich seit Beginn der Wintersaison 24 Menschen bei Lawinenunfällen im Rahmen des Bergsports ums Leben gekommen. Damit liegt die Zahl bereits jetzt deutlich über dem 10-Jahre-Mittel von 16 Lawinentoten pro Winter (bis zum 24. Februar sterben durchschnittlich 11 Menschen bei Lawinenunfällen).

nach Bundesländern: Tirol: 13; Salzburg: 7; Steiermark: 4; Vorarlberg: 2

nach Bergsportdisziplin: Variante: 15;  Skitour: 10;  Wandern: 1

nach Alter: 11–20 Jahre: 3;  21–30 Jahre: 4; 31–40 Jahre: 7; 41–50 Jahre: 5;  51–60 Jahre: 4; 61–70 Jahre: 2; 71–80 Jahre: 1

nach Geschlecht: Männlich: 22;  Weiblich: 4

nach Herkunft: Österreich: 12;  Nicht-Österreich: 14

"Lawinenzeit“ mit typischer Häufung

Besonders auffällig ist die Anzahl der Lawinentoten innerhalb weniger Tage: Vom 15. bis 21. Februar 2026 verunfallten 12 Menschen tödlich (davon 9 in Tirol, 2 in Vorarlberg, 1 in der Steiermark; 11 im Variantengelände, 1 auf Skitour; 4 Österreicher, 8 Nicht-Österreicher). Solche “Lawinenzeiten”, in denen sich innerhalb weniger Tage die Zahl der Lawinenereignisse und Lawinentoten stark häuft, gab und gibt es immer wieder in Wintern (s. Auflistung unten). In einem Interview mit dem Lawinenexperten Klaus Hoi - dem ehemaligen langjährigen Ausbildungsleiter der österreichischen Bergführerausbildung - erklärt er, wie er zu dem Begriff “Lawinenzeit” gekommen ist, und listet solche typischen Phasen auf. Hier ein Auszug:

3. bis 6. Februar 2023: 8 Tote in 4 Tagen

4. und 5. Februar 2022: 9 Tote in 2 Tagen

4. Februar 2010: 6 Tote an einem Tag

2. bis 16. Februar 2010: 19 Tote in 15 Tagen

Februar 2005: 12 Tote in 10 Tagen

1996: 11 Tote in 9 Tagen


Nachzulesen im ÖKAS Fachmagazin analyse:berg Winter 2023/24, und auch im ÖKAS Blog: alpinesicherheit.at/lawinenzeit-infos-interview-mit-klaus-hoi

Diese Beispiele verdeutlichen, dass beim Zusammenspiel bestimmter Wetter- und Schneesituationen immer wieder kurzzeitig mehr Wintersportler durch Lawinenunfälle ums Leben kommen als im restlichen Winterverlauf. Obwohl vor diesen Lawinenzeiten gewarnt wird und die erhöhte Lawinengefahr bekannt ist, scheint das persönliche Risikomanagement an diesen Tagen bei manchen zu versagen. Das ist insofern überraschend, da sich in den vergangenen Wintern die Zahl der Lawinentoten auf einem niedrigen Wert stabilisiert hat (10-Jahre-Mittel: 16). Und dass, obwohl so viele Wintersportler wie noch nie im freien, nicht gesicherten Gelände unterwegs sind. Valide Untersuchungen, warum diese Zahl der Lawinentoten stetig zurückgegangen ist, gibt es ebenso wenig, wie Daten, warum es in den kommunizierten Lawinenzeiten nach wie vor mehr Tote als sonst gibt. 

Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass die Zahl der Lawinentoten trotz der zunehmenden Anzahl an Wintersportlern im freien Gelände vergleichsweise stabil bleibt.

  • das wachsende Verständnis für die Lawinengefahr,
  • ein detaillierter, umfassend kommunizierter Lawinenlagebericht,
  • eine verbesserte und breitere Ausbildung sowie verstärkte Bewusstseinsbildung unter Wintersportlern,
  • die weit verbreitete Verwendung der Standard-Notfallausrüstung (Lawinenverschüttetensuchgerät [LVS], Sonde und Schaufel),
  • eine funktionierende Rettungskette einschließlich rascher Alarmierung über Mobiltelefon sowie schneller Verfügbarkeit von Notarzthubschraubern.

Trotz dieser positiven Entwicklung verzichten nach wie vor einige Wintersportler beim Verlassen der Piste auf ein LVS. Das zeigt sich auch in der Statistik der Lawinenopfer: Von den 24 Verstorbenen trugen 8 kein LVS, was die Verschüttungszeit und damit die Todeswahrscheinlichkeit deutlich erhöht.  Unabhängig davon bleibt das Skitourengehen und Variantenfahren eine Tätigkeit im freien Naturraum, bei der trotz sorgfältiger Planung und Ausrüstung stets ein Restrisiko besteht. 

Interviewpartner Gerhard Mössmer, ÖKAS Vorstandsmitglied und Abteilung Bergsport / ÖAV

Lawinengefahrenskala: Die in allen Alpenländern einheitliche fünfstufige Lawinengefahrenskala ist sachgerecht und verständlich. Die europäischen Lawinenwarndienste informieren einheitlich mittels einer Informationspyramide, d. h. wichtige, aber sehr allgemeine Informationen, z. B. die Gefahrenstufe, und das Lawinenproblem mit Gefahrenstelle werden sehr prominent als Erstes kommuniziert. Detailliertere und spezifischere Informationen kommen erst im weiteren Verlauf. Eine simple Ampellösung wie im Straßenverkehr ist nicht sinnvoll, denn wie bei der Wetterprognose, gibt es lokale Unterschiede und Ausprägungen der Lawinengefahr, die berücksichtigt werden müssen. Die hohe Lawinengefahr wurde in den vergangenen Tagen klar und unmissverständlich kommuniziert und überwiegend auch ernst genommen. So gab es in dieser Lawinenzeit nur einen toten Skitourengeher, die übrigen Opfer waren Variantenfahrer. Das ÖKAS beteiligt sich aktiv an der aktuellen und grenzübergreifenden Initiative, die Lawinengefahr noch verständlicher und besser zu kommunizieren.

Interviewpartner: Peter Plattner, ÖKAS-Expertenmitglied & Patrick Nairz, Leiter LWD Tirol

Rettungskosten: Immer wieder wird medial lautstark die Forderung erhoben, die anfallenden Einsatzkosten den Verunfallten in Rechnung zu stellen. Das ist in Österreich - im Gegensatz zu manchen anderen Alpenländern - schon lange Praxis: Alle alpinen Rettungsorganisationen – wie z. B. die verschiedenen Flugrettungen mit ihren Notarzthubschraubern, der Bergrettungsdienst und auch die meisten Pistenrettungen und oft auch die Alpinpolizei – verrechnen den Einsatz. Der Verunfallte trägt die Kosten. Viele Wintersportler verfügen über Versicherungen, welche diese Bergekosten übernehmen. 

Interviewpartner: Martin Gurdet, ÖKAS-Vorstandsmitglied und GF des Österreichischen Bergrettungsdienstes, Bundesverband

Gesicherte Piste vs. freier nicht gesicherter Skiraum: In den Skigebieten ist klar markiert, wo der organisierte und vor Lawinen gesicherte Skiraum verlassen wird. Im freien Skiraum bewegen sich Skifahrer und Snowboarder eigenverantwortlich. Die Skigebiete informieren mit Informationstafeln u. Ä. über die herrschende Lawinengefahr und schalten bei erhöhter Lawinengefahr eine Warnleuchte aktiv. Daneben wird die Lawinengefahr für die Pisten und Skirouten, Winterwanderwege, Rodelbahnen, etc. von den Lawinenkommissionen der Skigebiete täglich beurteilt und Maßnahmen wie Sperrungen, Sprengungen etc. durchgeführt.

Das ÖKAS lehnt gesetzliche Regelungen, die über die in den Landesgesetzen zum Katastrophenschutz geltenden Bestimmungen hinausgehen, ab. 

Interviewpartner: Robert Wallner, ÖKAS Expertenmitglied und Alpinjurist

Web: www.alpinesicherheit.at

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